Lisa-Marie Fischer holt ihre Inspiration aus dem Leben

Lisa-Marie Fischer ist eine besondere Newcommerin in der Musikszene. Wir haben sie auf der Tour von Tom Beck kennenlernen dürfen und haben die Chance genutzt mal genauer nachzufragen. Das besondere an dieser sehr jungen Künstlerin: Sie macht erfolgreich Country Musik!

Gebt mir Lisa-Marie Fischer, eine Gitarre und der Abend ist perfekt

Wer hätte gedacht, dass mir eine so junge deutsche Künstlerin Country näher bringen kann. Lisa-Marie war der Opener auf der Tom Beck Tour und hat genau das geschafft. Bisher fristete Country ein totales Nischendasein bei mir und die Klischees waren auch so schön einfach um sich nicht nährer damit zu beschäftigen. So blieb diese Musikrichtung in der Versenkung.

Doch eines weiß ich heute sicher: Es ist gut, wenn man offen ist für neues und auch mal Dinge macht, die man sonst nicht machen würde. Das erweitert den Horizont enorm.

Nach dem großartigen Konzert, (wir haben hier berichtet) hatte ich die Möglichkeit Lisa-Marie Backstage zu treffen und konnte ihr ein paar Fragen stellen.

Frage: Wie kommt man als 22-jährige ausgerechnet auf Country?

Lisa-Marie: Früher habe ich vor allem Pop gehört. Im Jahre 2008 habe ich dann mit meinen Eltern eine Musikkreuzfahrt gemacht, auf der vor allem Künstler aus dem Country- und Folkbereich aufgetreten sind z. B. Emmilou Harris. Das hat mich so sehr beeindruckt, dass ich danach angefangen habe Gitarrenunterricht zu nehmen. Meinen ersten Song, „Two Hearts“, habe ich dann im Jahre 2009 geschrieben. Die Kreuzfahrt war der Auslöser meines Wunsches Musikerin zu werden.

Frage: Als erste deutsche Musikerin warst Du zum Riverbend Festival in Chattanooga eingeladen. Wie kam es dazu und wie hat sich diese Auszeichnung angefühlt?

Lisa-Marie:
a) Den Kontakt zum Riverbend Festival hat mein Manager hergestellt. In Chattanooga gibt es ein Autowerk von VW; VW sponsored das Festival seit vielen Jahren. Mein Manager hatte die Idee einfach einmal bei VW anzurufen und zu versuchen, ob VW mich unterstützen könnte, um auf dem Riverbend Festival zu spielen. Wie es der Zufall will, war die verantwortliche Person bei VW ein Deutscher und so hatten wir schnell kontakt zu VW und zum Festival. Mein Manager hat dann Infomaterial zum Festivalorganisator geschickt und im Februar 2013 wurde ich dann eingeladen. Das klingt jetzt so einfach, hat aber gut ein Jahr gedauert, bis die Einladung dann kam.

b) Es war natürlich toll, dass ich als erste Deutsche Künstlerin auch noch zum „Artist oft he Day“ am 11. Juni gekürt wurde. Das war dann damit verbunden, dass ich vier Auftritte an einem Tag zu absolvieren hatte. Radio, zweimal Fernsehen und dann das Festival selbst. Für mich war der Auftritt auf dem Festival etwas ganz besonderes, da ich erstmals mit meiner kompletten Band aus Nashville auf der Bühne stand. Wir hatten die ganze Woche zuvor geprobt und so hat alles auch gut geklappt.

Frage: Ist es für Dich als Sängerin hier in Deutschland einfacher oder in den USA? Wie ernst wirst Du in den USA genommen?

Lisa-Marie:
a) Das kann man nicht allgemein beantworten. In den USA ist es als Newcomer sehr schwierig. Die Konkurrenz ist gerade im Country- Folkbereich viel grösser. Auftritte finden meist in Clubs, Bars oder Restaurants statt. Die Leute essen, trinken und reden und als Künstler hat man es sehr schwer, gehört zu werden. Trotzdem macht es viel Spass und man lernt unheimlich viel. Gage bekommt man nur in wenigen Fällen; meist sind es nur Trinkgelder. In Deutschland hören die Zuhörer immer zu, auch wenn es nur 10 oder zwanzig Zuhörer sind, so hat man ja einmal angefangen. Mit Gage ist es oft auch nicht weit her, allerdings wird das jetzt viel besser. Mir macht es sehr viel Spaß in den USA aufzutreten, aber in Deutschland / Europa habe ich derzeit wohl bessere Chancen.

b) Das Feedback in den USA ist sehr gut und man wird in der Regel sehr offen aufgenommen. Allerdings ist auch alles sehr oberflächlich und man weiß nie genau, ob das Feedback wirklich ernst gemeint ist. Allerdings werde ich oft für eine Amerikanerin gehalten, die gerade in Deutschland lebt, wahrscheinlich wegen meinem deutschen Akzent.

Frage: Zu hast gerade die Tour von Tom Beck begleitet. Dabei stehst Du ganz alleine mit Deiner Gitarre auf der Bühne. Woher nimmst Du den Mut und was denkst Du bevor Du auf die Bühne gehst?

Lisa-Marie:
a) Vor jedem Auftritt habe ich natürlich Lampenfieber, aber inzwischen auch eine gewisse Routine; jeder Auftritt ist anders und man weiß nie genau was einen erwartet. Eigentlich braucht man gar nicht soviel Mut, weil man zu den Zuhörern immer einen gewissen Abstand hat. In kleinen Clubs, wo man die Reaktion der Zuschauer oft viel direkter erfährt, habe ich oft mehr Lampenfieber. Aber eigentlich überwiegt immer die Vorfreude auf den Auftritt.

b) Am besten ist es, an gar nichts bestimmtes zu denken, sondern sich einfach auf den Auftritt konzentrieren. Wenn man zu viel nachdenkt, wird man eher unsicher, vergisst die Texte oder spielt eher mal einen falschen Ton.

Frage: Unicum.de hat Du in einem Interview einmal gesagt, dass Du durchaus mit Taylor Swift verglichen wirst. Nervt dieser Vergleich oder ist er eher Ansporn und eine Ehrung?

Lisa-Marie: Natürlich ist man geschmeichelt, mit Taylor Swift verglichen zu werden, aber eigentlich hat so ein Vergleich keinen Einfluss auf mich oder meine Musik. Unsere Songs sind zu unterschiedlich. Taylor Swift Songs sind im Vergleich zu meinen Songs ja wesentlich poppiger und mehr dem Mainstream ausgerichtet. Ansporn ist es dahingehend, dass ich versuche, meine Musik bekannt zu machen und mit meiner Musik Erfolg zu haben. Nerven tut es mich nicht, im Gegenteil, der Erfolg von Taylor führt ja auch dazu, dass in Deutschland Countryfolk wieder mehr gehört wird und das hilft letztlich auch mir.

Frage: Woher holst Du Dir deine Inspirationen und Ideen für Songs?

Lisa-Marie: Meine Songs sind immer irgendwo aus dem Leben gegriffen. Das können eigene Erfahrungen sein, oder Erfahrungen von Freunden, oder auch Beobachtungen die ich in den letzten Jahren auf meinen Reisen und Tourneen gemacht habe. Oft habe ich eine Idee, die ich dann mit meinen Co-Songwritern zu einem fertigen Song forme.

Frage: Wäre für Dich nicht die musikalische Erleuchtung gekommen, was hättest Du nach Deinem Abi gemacht?

Einen echten Plan habe ich eigentlich nicht. Eventuell wäre ich Stewardess geworden, weil ich gerne Reise. Ich wollte nie studieren, auch nicht Musik, das wäre mir zu theoretisch und Musik ist für mich immer auch etwas persönliches und emotionales. Ich hoffe, dass Musik auf lange Zeit mein Beruf und Berufung bleibt.

Frage: Es gibt viele junge Musiktalente in Deutschland. Es gibt nicht viele die dabei so viel Glück haben wie Du. Was kannst Du jungen Mädels und Jungs raten?

Lisa-Marie: Ich habe auf meiner ersten CD einen Song aufgenommen, der heißt „From The Heart“. Und das ist es, was ich den jungen Mädels und Jungs raten würde: Macht das, was ihr von Herzen macht. Bleibt bei der Musik, solange es Euch Spaß macht und lasst Euch nicht durch die vielen Mahnungen und Vorbehalte gegen einen Beruf als Musiker abhalten. Es stimmt, ich habe auch viel Glück gehabt, Leute zu treffen, die mich unterstützen und geholfen haben und dies auch weiterhin tun. Außer Glück braucht man aber auch Talent, viel Ausdauer und Geduld und vor allen viele Kontakte in die unterschiedlichsten Bereiche der Musik: Agenturen, Promotion, Distribution und vieles mehr. Allein schafft man das nicht, man braucht immer Leute, auf die man sich verlassen kann.

Frage: Wie stehst Du zu Castingshows? Wäre oder war das für Dich je eine Option?

Lisa-Marie: Castingshows wären für mich keine wirkliche Option; da steht die Musik oft zu wenig im Vordergrund und oft ist es eher die Performance auf die wert gelegt anstelle der Musik. Außerdem bin ich nicht der Typ, der Musik als „Battle“ ansieht, um sich gegen „Konkurrenz“ durchzusetzen. Ich möchte mich auf meine Musik konzentrieren, Songs schreiben, live auftreten und nicht gegen andere Künstler zu kämpfen.

Frage: Du hast einen Wunsch frei. Was würdest Du Dir heute wüschen und warum?

Lisa-Marie: Ich würde sehr gerne einen Grammy gewinnen; das wollen sicher alle Musiker.
Ich wünsche mir aber auch sehr, einmal in der Grand Ole Opry in Nahsville auftreten zu dürfen. Das ist eine sehr alte Radio Show in Nashville, ich glaube sie gibt es schon seit fast 90 Jahren. Das ist der Traum der meisten Country-Musiker und es ist für alle eine besondere Ehre in diese Show eingeladen zu werden.

Foto:
Isbelle Wells, Nashville

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