Falco oder Wiener Schmäh plus Ironie

Falco ist für viele der größte Star der 80er Jahre

Falco – sein Leben, seine Musik. Ein Blick zurück in die 80er. Mit 15 schmiss der Sänger die Mittelschule, was dem Vater, einem angesehenen Architekten, nicht gefallen haben dürfte Die Wiener Kneipen-Szene hatte es Johann Hölzel schon damals angetan. Tingel Tangel mit Gitarre für den Lebensunterhalt, später spielte er in ständig wechselnden Bands. Alles war ein großer Spaß.

Berlin zog Falco magisch an

1977 wurde es ihm in der Wiener Musikszene zu langweilig, kurz darauf hatte er sogar die Nase voll. Berlin zog ihn magisch an, gerade die Punk-Bewegung fesselte den eher rebellischen Hölzel, dort wollte erkräftig mitmischen. In dieser Zeit entstand auch sein Pseudonym Falco, angelehnt an den DDR Skispringer Falco Weißpflog, den er sehr verehrte.

Falco avancierte zum Experten für Punk- und New Wave und kehrte 1979 nach Wien zurück, um dort die Rock- und Schocktheatergruppe „Hallucination Company“ zu gründen. 1980 stieg er als Bassist bei der Wiener Gruppe „Drahdiwaberin“ ein und schrieb deren ersten Hit „Ganz Wien (ist heut auf Heroin)“.

Songs auf der schwarzen Liste

Das Lied kam auf die schwarze Liste und wurde vom österreichischen Rundfunk strikt boykottiert. Die erste eigene Solo Single „That Scene“ war in Deutschland unbekannt, anders als das erste Album „Einzelhaft“. Mit „Drah di net um – Der Kommissar geht um“, gelang ihm dann auch der große kommerzielle Durchbruch. Dieser Song galt für ihn als pure Ironie, denn Falcos Verhältnis zur Staatsgewalt war nicht gerade rosig.

Während er draußen pikante Musik mit Wiener Schmäh macht, zieht er sich privat in die Wohnräume eines ehemaligen Klosters zurück. Sein Auftreten nach außen erscheint seriös, tipp topp elegant, wenn auch ein wenig overdresseed und overdrived, manchmal sogar schmalzig. Mit gestreiftem Anzug im Sträflingslook, Rüschenhemd und fetziger Lederjacke, die Haare immer perfekt gegelt spielt er seine Liebe zur Doppeldeutigkeit auch modisch voll aus. (282 Worte)

Falco & das Jeanny Video

Jeanny war damals in den 1980er Jahren ein Skandal, das Lied erschien mehr als zweideutig, ebenso wie das Video. Erwachsene beschimpften den Song als pure Gewaltverherrlichung. Radiosender weigerten sich den Song zu spielen und die Presse schoss sich geradezu auf Falco ein. Dabei wurde der Song ein Megahit. Nummer Eins in den Charts und das wochenlang.

Vergewaltigung, Mord, Entführung, was ist in dem Video gemeint? Die Nachfolgetitel von Jeanny zeigten, dass Jeanny lebt und eigentlich der Mann das Opfer war. Mit damals 150.000 DM wurde das bis dahin teuerste in Österreich produzierte Video zu Jeanny Part I gedreht.

Stilmittel aus bekannten Psychothrillern wurden effektvoll eingesetzt. Die 15-jährige Salzburgerin Theresa Guttenberger spielte das verstörte Mädchen.

Falco sprach damals in einem Interview mit einer bekannten deutschen Jugendzeitung und erklärte, dass Jeanny eine Warnung ist gegen das Verschwinden von Kindern und Jugendlichen und nicht ein Angst einflössendes Video. Jedenfalls hat Falco damals nicht nur die Eltern und Medien aufgerüttelt und aufgeregt.

In keinem Jahr erschienen so viele Tipps zur Vermeidung von sexuellen Überfällen oder Tätlichkeiten. Die Polizei war rund um die Uhr auch mit Aufklärungsmaßnahmen im Einsatz. Da sieht man mal wieder, was so ein Song plus Video alles bewirken kann und das im eher positiven Sinne.

Foto:
Falco – Ganz Wien / Youtube

Schreibe einen Kommentar