Ein bisschen NDW gefällig?

Die 80er Jahre waren geprägt von NDW

Schrille Typen, leicht verstört, romantisch verspielt, hart und zart und Texte, die eigentlich nicht viel oder zu viel Inhalt haben, aber sich mit ihrem Refrain doch schwer im Ohr breit machen: Die Neue Deutsche Welle.

Die Neue Deutsche Welle – Ein musikalisches Phänomen in den Achtzigern

NDW – Ja, was war das denn eigentlich? Eine Musikbewegung, eine vorüber schwappende Welle, eine kultige Erscheinung? Die Neue Deutsche Welle zu erklären, ist, wie einen Butterkeks zu analysieren – Am besten man hört sich die Songs an, schwelgt in Erinnerungen und freut sich, dass der Begriff Einzug ins Lexikon gehalten hat. Doch was uns heute noch an Namen der Neuen Deutsche Welle sofort in den Gehirngang strömt, z.B. Marcus, Hubert Kah, und Frl. Menke, das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus der großen Szene.

Wüstenfuchs oder Intimspray?

Gerd Galda und Matthias Rapp alias Reifenstahl schlugen experimentellen Klänge auf Luftballons, Pappbechern und Kochtöpfen an und kombinierten Gitarre sowie Synthesizer dazu. Titel wie „Reumütige Raumfahrer“ oder „Wüstenfuchs“ gingen eher in Richtung Nonsens und muteten einfach nur schräg an. Oder wie wäre es mit Intimspray? Nein, nicht zum Anwenden – Auch das war eine NDW-Band. Sie ritten auf der Neuen Deutschen Welle mit besonderen New Wave Touch.

Dann gab es noch die „Geisterfahrer“, die mit angemalten Torwartmasken posierten: Matthias Schuster, Jürgen Weiß, Michael Ruff. Eintagsfliegen wie „Geile Tiere“ landeten mit dem gleichnamigen Song einen Hit, dann wurde wieder mit dem Malen Geld verdient.

Abwärts aus Hamburg

Ein Begriff für Musikfans ist die Gruppe Abwärts aus Hamburg mit F.M. Einheit, Frank Ziegler, Mark Chung und Axel Dill, die Rock und Wave perfekt kombinierten. Man nehme je einen Schuss Rock, Reggae und Ska, rotzig freche Texte und eine selbstbewusste Sängerin mit Zeilen wie „Ich will Dich, aber nur heute Nacht“ und fertig war die Schweizer Gruppe Vera Kaa, benannt nach Sängerin Vera Kaeslin. Die Truppe bastelte hochdeutsche Texte zu tanzbarem Rock und brachte LPs wie „Das macht dich frisch (Pillenkonsum)“ auf den Markt.

Aber da waren ja noch der eine oder die anderen, an die wir uns doch gleich erinnern.
Joachim Witt – der Einzelgänger verschlossen und dunkel, eingängige Melodien und stampfender Rhythmus dazu Texte zu Heimat und Natur. Silberblick oder Edelweiß nannte er seine LPs. Goldener Reiter zählt zu den großen kommerziellen Erfolgen der NDW. Einsamkeit bestimmt viele seiner Songs und auch das Melancholische und Entrückte wird Witt gerne nachgesagt, die Sehnsucht nach Wäldern, Natur und Heimat und auch der Naturschutz sind Themen, die ihm immer wieder am Herzen liegen. Er hat seine eigene Meinung zu Kindheit, Liebe, Träume und Mädchen, immer poetisch angehaucht und nicht unbedingt auf den ersten Blick verständlich. Auch das machte den Reiz der NDW-Songs aus.

Hubert Kah, Sänger mit dem gleichen Namen, komponiert und textet die Songs der Formatierung. Das Auftreten mit Blazer, Hochwasserhosen und geschminkten Augen ist typisch, dazu der leichte Anstaltsblick. Rund um den Sänger gesellen sich Marcus Löhr (Gitarrist), Klaus Hirschburger (Bassist) und Niko Kimmerle (Schlagzeuger). Im Heimatort Reutlingen haben sie damals gerne geschockt oder kleine Mädchen erschreckt. Auf den Plattencovers heißt es: Neue, deutsche Schlagermusik. Die Hubert Kah´s sahen ihre Songs eher mit Unterhaltungswert und nicht zur Problematisierung von zeitgemäßen Themen. Dafür gab es ja auch andere neue deutsche Kapellen, oder?

UKW wirft einen Partyknaller auf den Musikmarkt. „Ich bin ja so verschossen, in Deine Sommersprossen“ singt Andreas Koch und seitdem sind Mädchen mit Sommersprossen echt sexy. Die Band mit Peer Gerlach, Thomas Schütze, Peter Hubert, Andreas Koch und Andreas Schwarz gehört zu den beliebtesten und erfolgreichsten Kapellen der NDW, die damals auch die Teenie-Zeitschriften permanent bevölkerten.

NDW von A-Z

Besonders die Namen der Bands, die auf der Neuen Deutschen Welle ritten, haben damals für Furore gesorgt. Das entsprach dem Zeitgeist und dem neuen Wortschatz, den die Jugendlichen jetzt pflegen wollten. Wortspielereien bestimmten die Bandnamen. Endlich galt es, den Kult und die Klischees mit den extrovertierten Namen aufs Korn zu nehmen und damit auch für Aufmerksamkeit zu sorgen.

Denn in den 80er Jahren war so gar nichts wie in den 70ern oder in den 50ern. Es gab eigenständige Mode, Musik, Lifestyle, Produkte und vor allen Dingen revolutionierte sich die Technik mit einem Mal rasend schnell. Und auch rebellische Töne wurden wieder angeschlagen. Mit Bands wie DIN A4 oder Die Norm gab es den Vorderangriff auf die deutsche Bürokratie, den Ordnungszwang und die Perfektion.

Und weil´s so schön war, hier eine Liste (keine Garantie auf Vollständigkeit) mit den Kapellen und Bands der Neuen Deutschen Welle. Schmunzeln ausdrücklich erlaubt!

Aus lauter Liebe, Bärchen und die Milchbubis, Bleibtreu Revue, Bernward Büker Bande, Bitch Band Nr. 1, Bildstörung, Deutscher Kaiser, Die Wüste lebt, Dr. Koch Ventilator, Deutsch-Polnische Aggression, Die Drei von der Tankstelle, Deutschland Terzett, DIN A4, Einstürzende Neubauten, Erwachende Herzen, Extrabreit, Email, Eiskalte Bengel, Kaiserschnitt, Kraftwerk, Konsumterror, Krupps, Kein Mensch, Linientreu, Leben und Arbeiten, Leider keine Millionäre, Luzibär, Klaus Lage, Mannschreck, Malaria, Marcus, Mittagspause, Menschenfresser, Der Moderne Mann, Mythen in Tüten, Mittlere Katastrophen Kapelle, Mutterfunk, Motherfunker, Messerschmitt, Minisex, Normahl, Notdurft, Münchner Freiheit, Die Norm, Nervös, Non Plus Ultra, Östro 430, Ohne Unter Titel, Organbank, Prima Klima, Ping Pong, Tom Pettings, Herzattacken, PVC, Popstars, Perplex, Prikkel Pids, Potenzstörung, Pädagogische Hochschule, Projekt Deutscher Herold, Theingold, Rotzkotz, Revolver, Die Radierer, Ritual, Rosachrom, Schweine im Weltall, Sprung aus den Wolken, Stef Petticoat, Saal 3, Spider Murphy Gang, Schlappschwanz, Splitter, Spliff, Steinwolke, Stromsperre, Stenhagel, Superlippe, Stille Hoffnung, Stahlnetz, Siedlerheim, Sperrmüll, Tempo, Trio, Trampolin, Die Tödliche Doris, Tollwut, Treibgas, Toto Lotto, Totgeil, Ton Steine Scherben, Trümmerhaufen, UKW, Überdruck, Der Verdacht, Verlorene Unschuld, Vera Kaa, The Wirtschaftswunder, Jochim Witt, Zimt, Zoff, Zufall, Zarah Zylinder, Zimmermänner

Foto:
Marco Maas / Flickr / CC BY-ND 2.0

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